Ein Interview mit Anne Freytag

Wuhu, mein allererstes Interview, und dann gleich mit einer Liebliningsautorin: Anne Freytag (!) hat sich freundlicherweise Zeit für ein paar Fragen genohmen …

Frage: Bei all deinen bisherigen Jugendbüchern drehte es sich um die großen Themen (Krankheit, Liebe, Abschied), mit welchen Konflikten werden denn Rosa, Frank & David kämpfen?
Freytag: Sie kämpfen vor allem mit und gegen sich selbst. Und damit einhergehend auch mit den gesellschaftlichen Normen und Werten, die sie verinnerlicht, aber nie wirklich hinterfragt haben. Zu Grunde liegt eine der ganz großen Seinsfragen, die einen zwangsläufig beschäftigen, wenn man vor dem ersten eigenen Schritt in sein erwachsenes Leben steht, nämlich: Was will ich eigentlich?

Hast du als Jugendliche vielleicht ähnliche Erlebnisse gehabt wie deine Protagonisten?
Ja und nein. Ein paar Dinge erleben wir ja fast alle zu dieser Zeit: Das erste Mal verliebt, das erste Mal verlassen das erste Mal, Freundschaft, Verrat, Enttäuschung … Andere Dinge sind nur Teil meiner Fantasie und meiner Vorstellung. Dinge, die mich beschäftigen und nicht mehr loslassen.

Es sind Fragen, die ich mir mit dem Schreiben meiner Romane selbst beantworte. Sie verweben sich in meinem Kopf mit Dingen, die ich erlebt und gefühlt habe. Emotionen lassen sich ja oft recht gut übertragen.

Mal was ganz anderes: In deinen Romanen spielt die Musik immer eine tragende Rolle, hörst du privat andere Sachen?
Meine Figuren hören nur Musik, die ich auch selbst gut finde – sonst würde ich sie beim Schreiben vermutlich nicht lange ertragen. Aber natürlich gibt es sehr viele Lieder, die ich mag, die nicht in meinen Romanen vorkommen. Entweder passen sie nicht zum Geschmack meiner Figuren oder nicht zu deren Alter, oder sie passen nicht zur erwähnten Situation. Die erwähnten Songs sind nur ein Auszug meines Musikgeschmacks.

Eine Freundin von mir hat sich Bücherempfehlungen von Dir gewünscht
Die soll sie haben. Ich liebe „Das Parfum“ von Patrick Süskind und „The Catcher in the Rye“ von Salinger. Aber auch „Die Ehefrau“ von Meg Wolitzer und „The Power“ von Naomi Alderman. Und natürlich mag ich Harry Potter (mein Lieblingsband ist übrigens der sechste).

Trotz der oben angesprochen Themen hab ich von verschiedenen Seiten gehört, das ihnen deine Bücher nicht „ernst genug“ seinen?! Wie kann man da als Anne Freytag Fangirl richtig gegen argumentieren, ohne anzufangen die Leute wüst zu beschimpfen?
Da muss man gar nichts tun.

Es ist ein Zeichen von Größe die Meinung anderer zu akzeptieren.

(Auch wenn es mich natürlich freut, dass du meine Ehre verteidigen willst. )

Wie geht es dir dabei Charaktere (Tessa) sterben zu lassen? Schlechtes Gewissen?
Nicht wirklich. Ihr Urteil war ja schon längst gesprochen, als ich sie „kennengelernte“. Ich habe ihr dann nur ein möglichst schönes Ende geschrieben.

Und eine letzte Frage noch: Wie recherchierst du, um deine Figuren mit ihren extremen Erfahrungen (z.b. tödliche Krankheit) psychologisch glaubwürdig beschreiben zu können?

In meinen Augen ist es der Job eines Autors emphatisch zu sein und sich in die Situationen anderer hineinzuversetzen.

Das ist das entscheidende, wenn es nach mir geht. Alles andere ist klassische Recherche. Experten, Betroffene, Literatur.

Ein rießengroßes Dankeschön an die wunderbare Autorin Anne Freytag, deren vierter Roman im Mai (Safe the date!) erscheinen wird.

Und hier gehts zu den Rezensionen:
Mein bester letzter Sommer
Den Mund voll ungesagter Dinge
Nicht weg und nicht da

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